Georgien – kleines Land mit langer Geschichte und grossen Problemen

Georgien will so schnell wie möglich in die EU und in die NATO eintreten, so das erklärte Ziel der Regierung unter Michail Saakaschwili. Während die USA gerne einen engen Verbündeten im Kaukasus hätten, schrecken viele europäische Staaten vor allzu viel Nähe zurück, denn kaum eine ehemalige Sowjetrepublik hat so viele ungelöste Probleme aufgehäuft, wie Georgien. Dabei wirkt Georgien mit seinen romantischen Bergtälern, seinen Weinbergen und Küstenlandschaften wie ein Paradies.

Hieß es in der Sowjetzeit noch, für Georgien gehe die Sonne im Norden auf , so sucht die Regierung Saakaschwili die Sonne nun im Westen. Von einer Normalisierung scheint Georgien noch weit entfernt.

Vielvölkerstaat Georgien

Georgien ist ein Vielvölkerstaat. Nicht weniger als 26 Volksgruppen leben auf knapp 70′000 Quadratkilometern. Knapp 90 Prozent des Landes sind von den Bergen des Kaukasusbedeckt. Es grenzt im Norden auf dem Kamm der Kaukasuskette an Russland , im Süden an die Türkei und im Westen an das Schwarze Meer. Die Georgier bilden mit rund 80 Prozent insgesamt die klar grösste Gruppe der rund 5 Millionen Einwohner Georgiens. Doch sind sie nicht in allen Regionen des Landes in der Mehrheit.

Am 9. April 1990 erklärte Georgien seine Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Bereits Jahrhunderte zuvor hatte es einst ein vereintes Georgien gegeben, das im sogenannten „Goldenen Zeitalter (11.-13. Jh.)“ zur dominierenden Macht der Region Transkaukasien wurde. Danach geriet Georgien unter osmanisch und schliesslich ab dem 19. Jahrhundert unter russischen Einfluss.

Für die Sowjetrepublik Georgien ging die Sonne im Norden auf

Die Präsenz Russlands, die spätere Eingliederung in die Sowjetunion und vor allem die Industrialisierung, die nach dem Ende des zweiten Weltkrieges unter der Führung Moskauseinsetzte, veränderte das Gesicht des Landes. Die Sowjetunion förderte sowohl die Industrialisierung, als auch den Ausbau der Kurorte mit massiven Subventionen. 58 Prozent der einst mehrheitlich bäuerlichen Bevölkerung lebt heute in urbanen Gebieten. Die grösste Stadt ist Tiflis mit rund einer Million Einwohner. Georgien wurde zur so genannten „Schweiz des Kaukasus“ – die Sowjetrepublik mit einer der höchsten Lebensqualitäten.

Mit der Unabhängigkeit begann eine Zeit der grossen Krisen. Über eine Million Menschen haben das Land seit 1991 verlassen . Georgien wurde durch die Umstellung auf die freie Marktwirtschaft heftigst durchgeschüttelt und erholt sich bis heute nur langsam. Zwischenzeitlich lag die Arbeitslosigkeit in Tiflis bei 40 Prozent. Die Produktion sank auf einen Bruchteil der Sowjetzeit. Eine jahrelange Hyperinfaltion vernichtete die Ersparnisse.

Schuld an der wirtschaftlichen Dauerkrise hatten aber nicht nur die Probleme mit der Umstellung auf ein neues wirtschaftliches Umfeld, sondern auch die massive Korruption und die jahrelangen internen militärischen Auseinandersetzungen.

Zeit der Wirren und der Bürgerkriege – von Gamsachurdia über Schwardnadse bis Saakaschwili

Die Loslösung Georgiens von der UdSSR verlief anfangs unblutig, obwohl einer der Auslöser der Einsatz sowjetischer Truppen noch unter Gorbatschow gegen eine Demonstration in Tiflis war, bei der sieben Kundgebungsteilnehmer erschlagen wurden. Der erste Präsident des unabhängigen Georgiens, Swiad Gamsachurdia kam zwar durch freie Wahlen an die Macht, wurde dann aber durch einen blutigen bewaffneten Putsch von dem ehemaligen georgischen Innenminister und späteren sowjetischen Außenminister Eduard Schewardnadse gestürzt. Gamsachurdia wurde von Unbekannten getötet.

Rosenrevolution bringt auch keine Lösung

Ein Jahrzehnt später wurde Schewardnadse selbst, ohne dass er die Probleme des Landes hätte lösen können, durch die so genannte Rosenrevolution gestürzt und Michail Saakaschwili kam als Präsident Anfang 2004 an die Macht. Aber auch seine Präsidentschaft wurde von Anfang an von inneren Fehden überschattet.

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Kategorie: Allgemein, Aktualisiert am 7. Oktober 2009 von Redaktion | Anmelden